E-Nummern werden von der Europäischen Union (EU) für die Stoffe vergeben, die als Lebensmittelzusatzstoff im europäischen Wirtschaftsraum zugelassen sind. Sie sind in allen Mitgliedsstaaten gültig und ermöglichen eine sprachunabhängige Bezeichnung. Das „E“ steht hier gleichzeitig für „Europa“ und für edible (englisch für „essbar“). Neben der EU verwenden auch andere Länder, wie die Schweiz, die Systematik der E-Nummern in ihren gesetzlichen Regelungen.[1]

Geschichte

Die ersten E-Nummern, zunächst noch unter der Bezeichnung EWG-Nummer zusammengefasst, wurden bereits 1962 mit der Richtlinie 62/2645/EWG für Farbstoffe eingeführt. Für diese Zusatzstoffe wurden die Nummern E 100 bis E 199 reserviert. Danach wurde 1964 die Richtlinie 64/54/EWG für Konservierungsstoffe mit den Nummern E 2xx verabschiedet. Ihnen folgten 1970 die Richtlinie 70/357/EWG für Antioxidationsmittel (E 3xx) und 1974 die Richtlinie 74/329/EWG für Emulgatoren, Stabilisatoren, Verdickungs- und Geliermittel (E 3xx und E 4xx). Letztere wurde 1995 durch die Richtlinie 95/2/EG über andere Lebensmittelzusatzstoffe als Farbstoffe und Süßungsmittel ersetzt. Zum 20. Januar 2009 trat die Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 16. Dezember 2008 über Lebensmittelzusatzstoffe in Kraft. Diese Verordnung ersetzte die vorherigen europäischen Richtlinien und gilt als EU-Verordnung unmittelbar in allen Mitgliedsstaaten der EU, sodass nationale Regelungen, die dieser Regelung entgegenstehen, nicht länger gültig sind.

Aktuelle gesetzliche Regelungen

In der EU und der Schweiz dürfen Zusatzstoffe nur nach ausdrücklicher Zulassung verwendet werden. Zudem müssen Zusatzstoffe auf dem Produkt – z. B. durch Angabe der E-Nummer – kenntlich gemacht werden. In der EU dürfen nur die im Anhang II, Teil B LISTE ALLER ZUSATZSTOFFE der Verordnung (EG) Nr. 1333/2008 mit ihren E-Nummern aufgeführten Zusatzstoffe verwendet werden. In der Schweiz regelt die Schweizer Zusatzstoffverordnung (ZuV) dies sinngemäß. Sie enthält im Anhang 1a die Liste der zugelassenen Zusatzstoffe mit ihren E-Nummern.[1] Für die fachliche Bewertung ist in der EU die Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (European Food Safety Authority, EFSA), die 2003 den Wissenschaftlichen Lebensmittelausschuss (SCF) darin abgelöst hat, zuständig. Für Deutschland ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) beteiligt. Die Basis für eine Zulassung ist die Verordnung (EG) Nr. 1331/2008. Stoffe erhalten eine E-Nummer, sobald die interessierten Firmen bei der EFSA um eine Zulassung anfragen und dabei wissenschaftliche Dokumente vorlegen, die die Unbedenklichkeit des betroffenen Stoffes belegen. Dabei darf die Erlaubte Tagesdosis (ADI) nicht überschritten werden. Wenn diese Dokumente nachweisen, dass ein Stoff die Gesundheit nicht gefährdet und als sicher eingestuft werden kann, erhält er die Zulassung. Bei neuen Informationen und Daten führt die EFSA eine Neubewertungen der Stoffe durch. Insgesamt gibt es in der EU zurzeit 333 zugelassene Zusatzstoffe und Stoffgruppen.[2]

Die Zulassung von Aromen regelt die Verordnung (EG) Nr. 1334/2008. Für zugelassene Aromastoffe werden statt E-Nummern entsprechende FL-Nummern vergeben. Die Zulassung von Enzymen regelt die Verordnung (EG) Nr. 1332/2008.

INS-Nummern

Wird bei der Bezeichnung das „E“ weggelassen (Beispiel: „1451“ anstelle von E 1451), handelt es sich möglicherweise um einen Lebensmittelzusatzstoff, der nach dem International Numbering System (INS) nummeriert wurde und in Europa nicht zugelassen ist.

Das INS wurde von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen und der Weltgesundheitsorganisation vom Codex Committee on Food Additives and Contaminants (CCFAC) basierend auf dem Europäischen System der E-Nummer entwickelt und nutzt – bis auf wenige Ausnahmen – dessen Nummerierung, allerdings ohne das führende „E“.[3] Zudem ist das INS deutlich umfangreicher und enthält zahlreiche Zusatzstoffe, die in der EU nicht zugelassen sind.[4] Das INS wird u. a. von Australien und Neuseeland verwendet.

Andere E-Nummern

E 605 steht nicht für einen Lebensmittelzusatzstoff, sondern für Parathion, ein giftiges Pflanzenschutzmittel, das als Insektizid und Akarizid verwendet wurde und mittlerweile verboten ist. Parathion trug eine E-Nummer, unter der es in Europa vermarktet wurde; ebenso andere insektizide Phosphorsäureester wie Potasan (E 838).[5] Diese E-Nummern haben nichts mit Lebensmittelzusatzstoffen zu tun, sie existierten schon lange, bevor es die EU-Liste für Lebensmittelzusatzstoffe gab.[6] Eine irrtümliche Verwendung der Stoffe ist nicht möglich, da es keinen Lebensmittelzusatzstoff mit der Kennung „E 605“ oder „E 838“ gibt.

Einzelnachweise

  1. a b Verordnung des EDI über die zulässigen Zusatzstoffe in Lebensmitteln. (PDF) Das Eidgenössische Departement des Innern (EDI), 1. Juli 2020, abgerufen am 20. Dezember 2020.
  2. Food Additives Database der EU/EFSA, Stand Dezember 2020.
  3. CLASS NAMES AND THE INTERNATIONAL NUMBERING SYSTEM FOR FOOD ADDITIVES. (PDF) In: FAO. Abgerufen am 3. Januar 2021 (englisch).
  4. CLASS NAMES AND THE INTERNATIONAL NUMBERING SYSTEM FOR FOOD ADDITIVES CXG36-1989. (PDF) In: Codex Alimentarius. FAO, 2019, abgerufen am 25. Dezember 2020.
  5. H. P. Plate, E. Frömming: Die tierischen Schädlinge unserer Gewächshauspflanzen, ihre Lebensweise und Bekämpfung. Duncker & Humblot, 1953, S. 237 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Gerhard Schrader: Die Entwicklung neuer insektizider Phosphorsäure-Ester. Verlag Chemie, 1963 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).